Das beste Makroobjektiv

Das beste Makroobjektiv

Dieser Artikel befasst sich mit Vollformat-Objektiven (24×36). Es gibt außer den hier genannten Beispielen z.B. noch Kompaktkameras mit Makrofunktionen, die aufgrund kleiner, hochauflösender Sensoren durch ihre Schärfentiefe geradezu prädestiniert sind für Makro-Aufnahmen. Sie sind z.B. für die Dokumentation der Arten eines Gebietes oder für den Austausch im Internet zur Bestimmung der Art sehr gut geeignet.

Man muss wissen, dass es viele Möglichkeiten gibt, worauf die Konstrukteure von Objektiven besonderen Wert legten. Schärfe, Brillanz, gleichmäßige Schärfe bis in die Ecken, Schärfeverlauf, Fokussiermechanismus, Verarbeitung, Handlichkeit, Gegenlichtstärke, Auflösung (ist nicht gleich dem Schärfeeindruck), Farbtreue, wirtschaftliche Aspekte u.a.m.  Heraus kommt eine reproduzierbare Abbildungsqualität des Objektivtyps, die sich dazu noch blendenabhängig verhält.

Mein Apo-Makro-Elmarit 2,8/100mm bildet bei Blende 2,8 bis 5,6 so ab, wie ich mir ein richtig gutes Makro wünsche, wenn ich das Motiv vom Hintergrund freistellen will (Spinne im Netz z.B.). Habe ich es aber mit sehr schreckhaften Insekten zu tun, ist es ratsam z.B. das Nikon AF 200 mm f 4 D IF-ED zu nehmen, welches von Blende 5,6 bis 32 ausgezeichnet abbildet und den notwendigen Arbeitsabstand hat. Für stille Objekte (Münzen, Schmuck, Pflanzen etc.) genügen 50 bis 60mm Makros, die jeder Hersteller irgendwann mal im Angebot hatte. Die gibt es oft günstig, weil sie vielleicht längst nicht mehr hergestellt werden.

Ich fotografiere mit spiegellosen Kameras, weil sie lautlos arbeiten und weil man an sie fast alle jemals gebaute Linsen adaptieren kann. Bevorzugt man AF muss man allerdings die für die Kamera speziell gebauten Objektive verwenden oder ziemlich teure Adapter dazu kaufen, welche die elektronischen Impulse von der Kamera ans Objektiv übertragen. Weil im Makro eine exakte definierte Schärfeebene gesucht wird, brauche ich keinen AF. Auch die Blenden-Automatik wäre für mich störend, weil ich vorher das Objektiv getestet hatte um zu wissen, bei welchen Blenden es am besten für meinen Geschmack und Zweck abbildet. Das Licht ist immer das Wichtigste. „Fotografieren“ ist „mit Licht schreiben“, versus ist darauf besonderen Wert zu legen. Ich kenne Makro-Fotografen, die immer mit einer bewährten Blitzeinrichtung bei gleicher Positionierung alle Bilder schießen. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen, alle Motive kriegen so „ideale“ Lichtverhältnisse: Haupt-Licht von der Kamera, Licht von vorne oben für den Kontrast und jeweils seitlich unterschiedliches Nebenlicht für den natürlichen Anschein.

Wie gesagt bilden die verschiedenen Typen auch blendenabhängig ab. Es ist demnach wahrscheinlich, dass ein Fotograf oder Filmer mehrere Objektive mit gleicher bewährter Brennweite verwendet. Es gibt Objektive, von denen man sagen kann, dass sie in der Mehrzahl der Bedingungen brauchbare Ergebnisse liefern und sehr preiswert sind, wie z.B. das Pentax  Macro-Takumar 4/100mm, das von Blende 4 bis 16 gut abbildet. Als Tessar-Typ ist es relativ einfach gestaltet, so dass es wahrscheinlich ziemlich gleichmäßig gute Exemplare davon gibt. Für Pflanzen oder stille Details ist bei den 50er Linsen das uralte „Macro-Takumar 1:4/50 Asahi Opt.Co (1969) 1:1 sehr schön. Es ist eines der Ausnahme-Optiken, die zu Zelluloid-Zeiten, als man noch nicht so einfach die Farben manipulieren konnte, ein Geheimtipp war. Es gibt immer mal wieder derartige besonders gelungene Objektive, wie z.B. das Voigtländer Macro-Apo-Lanthar 125mm 1:2,5 oder das Minolta AF 200mm 1:4 APO Tele Macro G, von denen man aber erst erfährt, wenn sie nicht mehr gebaut werden. Sie sind dann auch noch sehr teuer, extrem z.B. das Kinoptik 2,5/150mm Apochromat. Bei der Wahl zwischen einem alten und einem aktuellen Makro würde ich bei gleichem Preis eher ein neues nehmen.

Nicht zuletzt bilden die Objektive von Sensor zu Sensor auch noch unterschiedlich ab. Es ist durchaus möglich, dass eines beim 12 MB Sensor (der für den „normalen“ Fotografen nicht nur reicht sondern auch Vorteile hat) sehr gute Bilder erzeugt, beim 40 MB Sensor aber schlapp macht.

Wenige aber gute Objektive ist meine Devise. Je öfter man eine Linse benutzt desto besser werden die Ergebnisse damit. Und man hat weniger zu schleppen. Bei den Makro-Objektiven sollte man drei Brennweiten in Reserve haben wenn man viel fotografiert, eine kurze, eine mittlere und eine lange, z.B. 50mm, 100mm und 200mm. Oft reicht schon eine Linse mit ca. 100mm für gelegentliche Makro-Bilder. Nicht jeder ist so verrückt und meint, alle jemals gebaute Linsen testen zu müssen. Wirklich, ich hatte schon viele in Händen und die Quintessenz ist, dass auch legendäre Objektive wie Makro-Plasmate oder Ortho-Planare eher für Sammler als für Anwender heute taugen. Objektive sollen „objektiv“ abbilden, die Unterschiede in den Bildern machen die Fotografen. Trotzdem ist es so, dass man mit dem einen Objektiv schnell an Grenzen kommt, mit dem anderen eben nicht. Das bessere Objektiv „wächst“ mit dem Fotografen mit. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Unterschiede fast immer nur sehr marginal sind und diese Unterschiede individuell verschieden gewertet werden. Es liegt am Fotografen die richtige Brennweite, den richtigen Schärfepunkt, die richtige Blende, die richtige Belichtungszeit, das richtige Licht, die richtige Bildgröße für den Druck und last not least den richtigen Moment zu wählen. Wenn er alles richtig gemacht hat wird er/sie sogar mit einem „Flaschenboden“ ein gutes Bild hinkriegen. Ein gutes Makrobild zeigt uns auf den ersten Blick eine der vielfältigen Ideen der Natur, die uns beeindruckt und die wir als unglaublich schön empfinden. Es ist mehr das Motiv, das uns berührt, weniger die Linse mit der das Bild gemacht wurde.